Die fünf Vrttis: die Bewegungen im Geiste °°Yoga°°

Vritti - hmm, das klingt nach einer Süßigkeit aus meiner Kindheit. Und das soll was mit Yoga zu tun haben?

Ja, die Vrittis sind die seelisch-geistigen Vorgänge oder Gedanken, die zusammengefasst als Vritti Sarupya bezeichnet werden - der Bewusstseinszustand, in dem der Mensch sich noch mit den Vrittis identifiziert. Dem Alltagsbewusstsen also. Im Yoga lernst Du, Deine Gedanken mindestens zu beobachten, bestenfalls zu beherrschen. Das ist der Königswegs des Yoga auch Raja-Yoga genannt und führt Dich hin zu Svarupa, was übersetzt eigene (sva) Gestalt (rupa) heißt und das höhere Selbst bezeichnet. 

Aber was sind die Vrittis denn genau? 






Patanjali beschreibt in Sutra 5-11 im ersten Kapitel die 5 Vrittis:

Pramana ist das richtige Wissen oder die gültige Erkenntnis - ein Gedanke entspricht der Wahrheit. Wenn ich beispielsweise nach draußen sehe und bemerke, dass es regnet, dann schlussfolgere ich, dass ich nass werde, wenn ich gleich vor die Tür trete. Der Gedanke erweist sich als richtig, sobald ich die Tür öffne und nass werde.







Viparyaya ist der Irrtum oder das falsche Wissen. Um bei dem Beispiel mit dem Wetter zu bleiben: Du schaust nach draußen und die Sonne scheint strahlend vom Himmel. Also denkst Du: es ist warm draußen. Trittst du dann vor die Tür, empfängt Dich aber kalte Luft. Ehrlich gesagt, passiert mir das häufig, weil ich immer denke, es muss doch warm sein, wenn die Sonne scheint. Aber das ist natürlich nicht so, denn die Sonne scheint ja auch im Winter und gerade wenn die Nacht klar war, kann es ja morgens richtig kalt sein. Das ist also ein Irrtum oder Viparyaya.

Vikalpa ist die Einbildung oder auch Zweifel, den es zu überwinden gilt. Ich merke also, dass es draußen kalt ist, also möchte ich mir eine dickere Jacke anziehen. Es könnte aber sein, dass es später noch warm wird, dann brauche ich die Jacke nicht mehr und muss sie nur mit mir rumschleppen. Ich kann mich nicht entscheiden und bin in meinen Gedanken gefangen. Das ist Vikalpa.

Nidra - oh ja, das kenne ich: Yoga Nidra, der Yoga-Schlaf. Interessante Entspannungsmöglichkeit...bei der ich oft eingeschlafen bin, was ja nicht das Ziel ist. Der Schlaf hat mich also an der Möglichkeit zur Meditation und Tiefenentspannung gehindert. Auf der anderen Seite brauche ich auch Schlaf, damit ich ausgeruht bin. 

Smriti ist die Erinnerung und das Festhalten von Eindrücken - im Zusammenhang mi dem Wetterbeispiel also die Erinnerung an den letzten Winter, in dem die Sonne nicht so oft geschienen hat und es eher nasskalt den kalt war. 

Um mich von diesem Alltagsbewusstein zu lösen (Vairagya = Löslösung) kann ich praktizieren. Dazu gibt es verschiedene Übungsformen (Abhyasa = Übung oder Wiederholung):


  • Sammlung und Konzentration
  • Löslösung von Begierden
  • Atemübung
  • OM-Meditation (Pravana = der Laut)


Patanjali sagt zu Abhyasa: Übung ist die ständige Bemühung um die Ruhe des Geistes. Sie bekommt ein festes Fundament, wenn sie lange Zeit ohne Unterbrechung und mit aufrichtiger Hingabe ausgeführt wird.

Zu Vairagya führt er aus: Vairagya ist der Bewusstseinszustand, in dem das Verlangen nach sichtbaren und unsichtbaren Objekten aufgehört hat. Der höchste Zustand des Nichtanhaftens entsteht durch Erkenntnis des Selbst und ist frei von Gier nach den Eigenschaften der Natur.

In der 2. Sutra hat Patanjali in diesem Zusammenhang die Quintessenz seines Werkes zusammen gefasst - und das ist gleichzeitig auch für mich das Wesen des Yoga überhaupt: 

Yoga(s)-citta-vritti-nirodhah


Yoga ist das zur Ruhe bringen der Gedankenwellen im Geiste
oder auch:
Yoga (yogas) bedeutet, die mentalen (citta) Bewegungen (vritti) zurück zu halten (nirodahh).






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